Fröhliche Weihnachten.

Auch in Israel lässt sich’s feiern, das Weihnachtsfest. Pünktlich am Heiligen Abend beginnt es sogar zu regnen. Doch selbst an den Festtagen bekommt man die Spannungen dieser Region zu spüren.

„Was, du bleibst über Weihnachten wirklich in Israel?“, haben mich Freunde gefragt, als ich ankündigte, nicht nach Hause zu meinen Eltern zu fahren, sondern die Feiertage im Heiligen Land zu verbringen. In Israel kommst du nicht in Weihnachtsstimmung, haben sie mir gesagt. Das Wetter ist zu schön, und überhaupt schert sich hier keiner um Christbäume, Nikoläuse und Weihnachtskugeln.

Rudolph und Olivenbäume

Zugegeben: Sie haben nicht ganz unrecht. Die Vorweihnachtszeit habe ich abends damit verbracht, mich mühsam mit vier krüppeligen Kerzen auf einem kahlen Adventskranz in Weihnachtsstimmung zu bringen. Ich habe ohne Erbarmen „Rudolph, the red-nosed reindeer“ und „driving home for christmas“ gehört und jeden Tag erwartungsvoll ein Türchen von meinem Adventskalender geöffnet. All das half nichts.

Nicht in allen Straßen Bethlehems weihnachtet es.Wenn ich morgens den Rollladen hochgezogen habe und die Sonne sommerlich warm in mein Zimmer schien, wenn an der Uni und in der Stadt alles seinen gewohnten Lauf nahm ohne Weihnachtsdeko und rot-weiß untermalter Werbung, die zum Kauf von Geschenken einladen soll, und wenn auch der Blick hier vom Mount Scopus nicht über eine verschneite (oder zumindest kahle) Winterlandschaft, sondern über Wüste und Olivenbäume schweifte, dann war all die mühevoll erarbeitete Stimmung wieder dahin. Und ich war mir sicher: Dieses Jahr fällt Weihnachten eben einfach mal aus.

Doch der Heilige Abend in Bethlehem und in der Erlöserkirche in Jerusalem hat mich eines Besseren belehrt. Bethlehem ist zwar für Touristen präpariert  (immer und vor allem zu Weihnachten), die Beleuchtung ist schrill und etwas zu kitschig, das „Merry Christmas“ der Verkäufer und Restaurantbetreiber kommt nicht von Herzen, sondern von der Hoffnung auf ein gutes Weihnachtsgeschäft, und eine zu große Menschenmenge quält sich durch die Läden und auf dem Platz vor der Geburtskirche. Aber das macht ja nichts. Im Grunde ist das ja wie Zuhause. Nur der Muezzin ruft einem eventuell wieder ins Gedächtnis, dass man in Palästina ist.

Glühwein und Plätzchen: alles wie immer – fast

Mit Freunden lecker Essen gehen, in der Kirche „Oh du fröhliche“ singen, Glühwein trinken, deutsche Plätzchen von netten Freunden mampfen und allen frohe Weihnachten wünschen: All das geht auch in Israel. Und selbst das Wetter spielt am 24. mit: Am Nachmittag  fängt es an zu regnen. Alles wie immer eigentlich, oder?

Vielleicht mit dem kleinen Unterschied, dass in diesem Land nichts unpolitisch bleibt, auch das Weihnachtsfest nicht. Dass Pfarrer in der Predigt auf das Leid der Welt hinweisen, und dass wir für mehr Frieden beten ist zwar auch in deutschen Gottesdienst nichts Ungewöhnliches. Hier aber bekommen die Worte der Predigt, spätestens bei der Fahrt über die Grenze von Bethlehem nach Jerusalem, eine viel tiefere Bedeutung. Am Abend auf dem Heimweg stehen wir am Checkpoint, es windet und ist kalt. Wir halten unsere Pässe bereit und blicken auf meterhohe Mauern. Ein paar Stunden vorher, bei einem Auftritt von arabischen Christen in traditionellen Gewändern wünschte die Leiterin frohe Weihnachten und fügte hinzu, sie hoffe, dass die Menschen hier irgendwann in Freiheit leben können. Das ist der Nahe Osten.

Es war dennoch ein wunderbarer Abend – dank großartiger Freunde.  In diesem Sinne: ein großartiges und erholsames Weihnachtsfest allerseits.

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